Zeitzeugenbesuch an unserer Schule

Meldung vom 13.03.2013


Zeitzeugenbesuch:

Als er den Schulhof betritt und mir lächelnd die Hand schüttelt, kann man nicht ahnen welches Grauen dieser Mann mit sich trägt. Das Grauen, das ein kleiner Junge erlebt hat, dessen Kindheit mit 13 Jahren endete und ihn zum Zeugen des dunkelsten Kapitels der Neuzeit machte.

Àbba Naor ist Litauer, das war seine Heimat bis zu jenen Tagen als die Deutsche Wehrmacht in Kaunas, seiner Heimatstadt, einmarschierte.

„Kein Kind kann sich seine Religion aussuchen“, so Naor. Seine Stimme wird bitter, als er von den 1,5 Millionen Kindern spricht, die ihr Leben lassen mussten, nur weil Sie der falschen Religionsgemeinschaft angehörten. Unter Ihnen seine zwei Brüder.

Doch zunächst erzählt er von Frühstücks Kakao und deutschen Panzern und erklärt warum ein litauischer Panzer 101 Leute benötigt – einer lenkt und hundert schieben.

Der Humor ist es, der ihm hilft, die Geschichte seines Lebens stets von vorne zu erzählen. Während er spricht,  durchlebt er immer wieder die Hölle seiner Jugend. Man spürt wie die Zeit eine Brücke schlägt und plötzlich gegenwärtig wird. Und trotzdem trifft es einen unvermittelt, wenn er von der Deportation der Mutter und des kleinsten Bruders erzählt. Beide wurden Opfer der Todesfabrik Ausschwitz. Es fällt schwer, die Fassung zu bewahren.

Als ich zum Abschied „Auf Wiedersehen“ sage, denke ich zum ersten Mal über die Bedeutung der Worte nach und bin mir des Privilegs seines Besuches bewusst.

Mögen noch viele Schüler seinen Worten lauschen können!


Boris Alexy